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Galileo – Was bringt es für uns Geocacher?

Bald ist es soweit und wir können noch genauer zu den Dosen navigieren. Sagt uns jedenfalls die bunte Glitzerwelt aus Marketing und Hochglanzpromotion. Was da kommt? Galileo. Jetzt sagen sicher viele, dass das doch schon seit Jahren kommt. Richtig. Allerdings war ich jetzt ein wenig überrascht, als ich aktuelle Screenshots einer „GPS Test“ App gesehen habe, in der Galileo schon angezeigt wurde. Zuerst dachte ich an eine Marketing Aktion, die Neugier war dann allerdings soweit geweckt, dass ich es genauer wissen wollte.

Auf der Seite der GSA, der European Global Navigation Satellite System Agency, findet man eine Übersicht über die momentan mit Galileo empfangsbereiten Smartphones. Die Hauptaufgabe der GSA besteht, wenn ich das richtig verstanden habe, darin, den Endnutzern zu erklären, wieso, weshalb und warum Galileo wichtig ist. Quasi die „Promo-Firma“ für den ganzen trockenen Technikkram. Und wie gesagt, auf deren Seite findet man eine Übersicht der kompatiblen Handys. Leider besitze ich keines der Modelle. Ein schneller Hilferuf in die lokale Whatsapp blieb leider erfolglos, aber in der „GeocachingDE“ Telegram Gruppe bekam ich eine rasche Antwort. So fand sich ein Samsung S8, auf dem die App, die im GSA Artikel erwähnt wurde, installiert und gestartet werden konnte. Und siehe da, Tatsache, neben GPS und Glonass tauchten tatsächlich zwei kleine Europa Flaggen auf. Also irgendwas wurde da empfangen.

Screenshot der App – Danke Helene! 🙂

Ich will mal kurz, für die Leser, die es nicht wissen, sehr vereinfacht und zusammengefasst ein paar Worte über GNSS verlieren. Wer es schon kennt, kann also getrost drüber weg lesen.

GNSS steht für Global Navigation Satellite System und umschreibt im Prinzip die Technik, die alle momentan aktiven satellitengestützten Navigationsdienste nutzen. Wirklich einsatzfähig sind aktuell 2, nämlich das amerikanische (NAVSTAR) GPS (das ist das, welches schon lange existiert, dessen künstliche Verschlechterung (Stichwort Blue Switch) Herr Clinton im Jahr 2000 für die zivile Nutzung ausschalten liess, womit der Weg für unser tolles Hobby geebnet wurde) und das russische GLONASS (natürlich mussten die Russen im kalten Krieg dem amerikanischen GPS System etwas entgegensetzen, was nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion allerdings ins taumeln kam und erst mit dem „Wiedererstarken“ des russischen Bären 2011 wieder den vollen Betrieb aufnehmen konnte). Momentan arbeiten die Chinesen noch an einem System namens Beidou (Fertigstellung 2020 geplant und auf dem GSA Screenshot ist auch schon eine chinesische Flagge zu erkennen, scheint also auch schon (teilweise) zu funktionieren) und die Inder möchten gerne auch etwas Eigenes an den Start bringen namens GAGAN.

Im Grunde funktionieren diese Systeme, sieht man vom Alter der eingesetzten Technik und Anzahl der Satelliten, mal ab, fast gleich. Um die Erde fliegen/schweben Satelliten, die eine sehr, sehr, sehr genaue Uhr an Bord haben. Sie senden per Funk 2 Informationen aus, ihre eigene Position und die Uhrzeit. Das Empfangsgerät nimmt diese beiden Daten (und Korrektursignale von Bodenstationen) von mehreren (mindestens 4) Satelliten und berechnet damit die eigene Lage.

Soweit der technische Teil zu GNSS. Doch was ist nun das besondere an Galileo? Zum einem, im Gegensatz zu GPS und GLONASS natürlich die aktuellere Technik. Die Amerikaner sind zwar stetig dabei ihr GPS zu aktualisieren (in diesem Jahr sollen die ersten Satelliten der 3. Generation in den Orbit geschossen werden), zu dem, was die Russen mit GLONASS machen findet man nur schwer sehr vage Informationen. Momentan sieht es für mich so aus, als haben sie alle Hände voll damit zu tun, die Mindestanzahl von 24 Satelliten im Orbit zu halten. Galileo sollte im finalen Betrieb aus 30 Satelliten bestehen. Aktuell ist von 24 + 2 als Reserve die Rede. Im Dezember 2017 wurden 4 Satelliten in den Orbit geschossen und auf 22 ausgebaut. Mitte diesen Jahres sollen noch 4 weitere folgen und damit eine Anzahl erreicht werden, die den Betrieb des Systems erlaubt. Bei den neu eingesetzten Satelliten ist mit einer Erprobungsdauer von circa 6 Monaten zu rechnen, in denen sie noch einmal auf Herz und Nieren (und Atomuhr) gecheckt werden. Der Zeitplan zum finalen Start des Systems in 2020 sieht also sehr gut aus.

Galileo ist, im Gegensatz zu den Konkurrenzsystemen, nicht militärisch kontrolliert und kann somit nicht entsprechend nationaler Interessen an- oder ausgeschaltet werden. Wenn man sich die Finanzierung und auch die technische Beteiligung am Galileo anschaut wird man erstaunt feststellen, dass aus diesem einst als rein aus europäischen Agrargeldern geplanten Projekt mehr geworden ist. Viel mehr. Eigentlich schon fast so etwas, wie ein wirkliches globales Navigationssystem. Lässt man Europa aussen vor, fallen einem Länder wie China (ja, neben Beidou machen sie auch dort mit), Indien (allerdings ist die Zusammenarbeit wohl schon wieder abgebrochen worden), Israel, Marokko, Saudi-Arabien, Schweiz, Norwegen, Südkorea und die Ukraine ins Auge. Beteiligunsverhandlungen gibt es momentan wohl mit Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Kanada, Malaysia und Mexiko.

Galileo bündelt mehrere Dienste. Es soll einen „offenen Dienst“ geben, der umsonst nutzbar ist und geringfügig genauer als aktuelles GPS. Allerdings besteht bei ihm keine Garantie auf ständige Verfügbarkeit. Der „kommerzielle Dienst“ muss bezahlt werden, eine ständige Erreichbarkeit wird garantiert und er richtet sich an Unternehmen und die Industrie. Ein „sicherheitskritischer Dienst“ soll der Luft- und Seeschifffahrt sowie dem Schienenverkehr zur Verfügung stehen. Der „staatliche Dienst“ kann von Polizei, Küstenwache und Geheimdiensten und natürlich auch dem Militär genutzt werden. Als letzter ist noch der „Such- und Rettungsdienst“ geplant und soll der schnellen und weltweiten Ortung von Notsendern dienen. Diese Dienste sind voneinander unabhängig.

Für mich wird Galileo nicht der grosse Sprung sein. Denn wie schon beschrieben, es kann eigentlich nur das, was die anderen auch können, ohne das direkte Risiko aufgrund eines nationalstaatlichen Konfliktes sofort (regional) deaktiviert zu werden. Es ist ein überstaatliches Projekt, was in unserer globalisierten Welt nie verkehrt sein kann. Durch die (geplante!) Erhöhung der Satellitenzahl auf 30 (24 in Betrieb plus 6 als Ersatz), würde eine höherer Genauigkeit zustande kommen. Momentan wird allerdings zum Systemstart mit 22 und 2 als Reserve Satelliten gerechnet. Ob sich das ändern wird, ist noch ungewiss. Allerdings verbessert es als Ergänzung zu den bestehenden Systemen die Genauigkeit der Positionsbestimmung wahrscheinlich enorm.

Wir Geocacher können also darauf hoffen, dass die Owner mit aktuellster Technik die Koordinaten ihrer Verstecke einmessen, so dass wir sie dann mit ebensolcher Technik auch präziser ansteuern und finden können.

 

 

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