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(Angeblicher) Geocache löst Bombenalarm aus

Gestern gab es aufgrund eines Vorfalls in der regionalen Presse einen Artikel, der auch gleich in der deutschsprachigen Geocacherszene Beachtung fand und weiter verbreitet wurde. Es wurde ein Gegenstand gefunden, der im Verdacht stand eine Bombe zu sein. In der Folge musste die Regionalexpressverbindung von Guben nach Frankfurt(Oder) unterbrochen werden.

Da ich nicht weiss, wie lange der Artikel online einzusehen ist, hier als Screenshot von lr-online.de

 

Was mir zuerst auffiel, war die recht schwammige Umschreibung von dem, was da überhaupt gefunden wurde. Von einer „mit Flüssigkeit befüllten Getränkedose“ ist die Rede. Schon das brachte mich zum Nachdenken. Denn sicherlich wird der Eine oder Andere in der Nähe von Bahnstrecken eine ähnliche Entdeckung gemacht haben wie ich. Dort sammelt sich meist der Dreck, Müll und Unrat, den Zugreisende aus den Fenstern entsorgen. Im Strassenverkehr und an Autobahnen kann man dieses Phänomen (leider) auch sehr gut beobachten.
Nun war mein Gedanke also, „Ok, wenn man dort eine Getränkedose findet, das überrascht jetzt doch nicht so“. Sicherlich schützt auch die nahe Gasleitung nicht vor der Müllflut aus den Zügen. Überraschend ist dann schon, wieso das den Mitarbeiter des Energieversorgers auf den Plan brachte, die Polizei einzuschalten.
Es konnte (glücklicherweise) festgestellt werden, dass vom auslösenden Gegenstand keine Gefahr ausging und der Betrieb der Bahn wieder aufgenommen werden.

So weit, so gut. Doch dann kam ein kurzer, aber wie ich finde, gerade für unsere Hobby Geocaching sehr negativer, Nachsatz: „… Es handelte sich um eine für das „Geocaching“ genannte GPS-Suchspiel präparierte Dose.“ …
Leider erschliesst sich aus der gesamten Pressemeldung nicht, wieso man nun plötzlich auf Geocaching kommt. Sollte es sich bei dem Gegenstand wirklich um eine unserem schönen Hobby zugehörige Dose handeln, auf der Karte ist in dem Gebiet nämlich weit und breit nichts verzeichnet?

Screenshot von geocaching.com

 

Screenshot von opencaching.de

Nichtsdestotrotz ist sicherlich nicht auszuschliessen, dass jemand, der das Hobby Geocaching betreibt, dort tätig geworden ist. Eventuell hat jemand einen Geocache geplant und dort etwas hingelegt. Oder es handelt sich bei dem gefundenen Gegenstand um den Teil eines alten, längst im Archiv weilenden Geocaches. Sogenannter Geomüll, der leider nach dem Archivieren (das heisst nach dem „aus dem Spiel nehmen“ des Geocaches) nicht wieder eingesammelt wurde. Das könnte sein, ist aber eigentlich unwahrscheinlich.

Wir Geocacher haben nämlich als sogenannte „Guidelines“ bezeichnete Spielregeln. Diese sollen uns allen einen gemeinsamen Spielspass garantieren, aber auch dafür sorgen, das Geocacher sich an etwas orientieren können beim Legen und Suchen von Geocaches. So sind Punkte wie Umweltverträglichkeit, Beachtung der (regionalen) Gesetze aber auch einfach Dinge, die dem gesunden Menschenverstand entsprechen (ja, auch bei unserem Hobby gibt es ab und zu mal ein schwarzes graues Schaf, dass ein wenig über die Stränge schlägt und es mit seiner Kreativität zu gut meint), darin festgelegt.

Wenn ein Geocache versteckt wird, muss zum Finden desselbigen ein Listing in einer der Datenbanken angelegt werden, damit die Suchenden die nötigen Informationen erhalten, die sie benötigen. Dies sind bei uns in der Regel die (weltweit grösste) amerikanische Datenbank www.geocaching.com oder es gibt auch noch eine deutsche, die wesentlich weniger versteckte Geocaches anbietet, www.opencaching.de.

Für die amerikanische sind sogenannte Reviewer vorgeschaltet, dass heisst ich verstecke den Geocache, schreibe ein Listing und reiche es ein. Der Reviewer guckt jetzt zwar nicht vor Ort, ob alles regelkonform ist, aber er sieht die Koordinaten auf der Karte und prüft, ob der Cache so, wie ich ihn eingereicht habe, den Guidelines entspricht. Dabei wird auch schon von dieser Seite aus auf solch sensiblen Orte wie Bahnanlagen, Naturschutzgebiete etc pp geschaut und gegebenenfalls der Geocache nicht zum Suchen freigeschaltet bzw der Cacheleger auf den Missstand hingewiesen.

Bei opencaching gibt es diese vorgeschalteten Reviewer nicht, aber auch dort ist in den Regeln fest verankert, dass die Gesetze eingehalten werden müssen und zum Beispiel auch hier, das Bahnanlagen nicht „bedost“ werden dürfen. Jeder, der dort einen Geocache veröffentlicht, erklärt sich vor dem „finalen Klick“ damit einverstanden.

Um mal ein Fazit zu ziehen, sicherlich gibt es auch beim Hobby Geocaching schwarze Schafe, die bewusst oder unbewusst die festgelegten Regeln aushebeln. Es gibt aber auch die Mehrheit der Geocacher, die dieses Hobby naturverträglich, gesetzeskonform und vor allem auch mit dem nötigen Menschenverstand betreiben. Und gerade für diese Mehrheit ist es wichtig, bei solchen Presseartikeln, die das Potential haben das gesamte Hobby Geocaching in ein (sehr) schlechtes Licht zu rücken, differenzierter zu berichten, wieso, weshalb und warum denn nun irgendwelcher Müll, der irgendwo gefunden wird, gerade etwas mit Geocaching zu tun haben soll. Ein einfacher Satz kann da leider viel irreparablen Schaden anrichten.

 

 

 

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